Ausstellung "Abgestempelt" im Artrium

„Gruß aus dem einzigen judenfreien Hotel Frankfurt/M.“, so die Parole, die einmal auf eine Postkarte gestempelt wurde. Den Satz, der so beiläufig und doch mit solcher Wucht daherkommt, würde der heutige Betrachter sofort in die Zeit des Nationalsozialismus einordnen; in Wirklichkeit wurde er am 7./8. Februar 1910 auf eine Ansichtskarte gestempelt. Vielleicht wurde damit einmal ein unbeschwerter Gruß aus dem Urlaub versehen, der Besucher der Ausstellung „Abgestempelt – judenfeindliche Postkarten“ erfährt dieses Detail nicht. Deutlich wird aber der Antisemitismus und Rassismus, der schon lange vor den Nazis in Deutschland ganz alltäglich war. Am Beispiel der Postkarte als frühes Massenmedium zeigt die am Dienstag, 12. Dezember, im Kunstraum Artrium eröffnete Ausstellung einen Alltag, geprägt von Vorurteilen und Diskriminierung. Die Karikaturen arbeiten mit Stereotypen, die nur auf den ersten Blick aus einer vergangenen Zeit stammen. „Das Thema hat auch heute an Aktualität nichts verloren“, erklärte Dr. Martin Loder, Fachbereichsleiter Jugend, Soziales und Kultur der Stadt Bruchköbel zur Eröffnung. „Die Bedeutung, die die Postkarten im Jahr 1900 hatten, haben heute Facebook und Twitter. Sie zeigen den Hass, der in der Mitte einer Gesellschaft angekommen ist.“

Die Karten stammen aus der Kollektion des Berliner Sammlers Wolfgang Haney, der über die Jahre fast 1000 antisemitische Postkarten zusammengetragen hat und als sogenannter „Mischling 1. Grades“ nach 1933 verfolgt wurde. Entstanden sind sie größtenteils vor dem Ersten Weltkrieg. Die Wanderausstellung wird durch Kunstwerke von Schülern des Fachbereichs Kunst der Jahrgänge 11 und 12 der Heinrich-Böll-Schule ergänzt. Die jungen Menschen haben sich unter dem Titel „moment.mal“ Gedanken zu den Themen „Ausgrenzung, Hass, Liebe, Sehnsucht und Frieden“ gemacht. Die Ausstellung selbst ist eine Leihgabe der Bundeszentrale für politische Bildung und wird von der Heinrich-Böll-Schule in Kooperation mit der Stadt Bruchköbel gezeigt.

„Abgestempelt – judenfeindliche Postkarten“ ist noch bis zum 31. Januar im Kunstraum Artrium (Innerer Ring 1 c) zu sehen. Öffnungszeiten: Mo. und Fr., 10 – 12 und 14 – 17 Uhr und Mi., 14 – 17 Uhr.

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