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"Bibliotheken sind toll, einfach, praktisch, kostenlos, sinnvoll, wichtig" – Ergebnisse einer Kundenbefragung zum Thema "Männer und Bibliotheken"

Mit diesem positiven Zitat eines Bruchköbelers beginnt die Diplomarbeit von Susanne Schmidbauer (Hochschule Darmstadt, Studiengang Informations- und Wissensmanagement), in deren Rahmen im April 2008 eine Umfrage unter Beteiligung von 7 hessischen Bibliotheken durchgeführt wurde und an der sich etwas über 200 Männer und Jungen beteiligt haben, darunter 23 aus Bruchköbel. Die Umfrage ist zwar nicht-repräsentativ, da die Mehrheit der Teilnehmer Nutzer oder ehemalige Nutzer der Bibliotheken waren und fast alle "Lesen" als Hobby nannten (in Bruchköbel 80 %), aber Tendenzen und Trends lassen sich durchaus erkennen.

 

Da Männer und Jungen in öffentlichen Bibliotheken in der Regel nur rund ein Drittel der aktiven Nutzer stellen, hatte sich die Diplomandin folgende Fragen gestellt: Warum gehen Männer und Jungen - im Gegensatz zu Frauen und Mädchen - seltener in öffentliche Bibliotheken? Was kann man dagegen unternehmen? Liegt es vielleicht daran, dass Jungen und Männer so wenig lesen? Sind die Öffnungszeiten schuld? Fühlen sich Jungen und Männer in Bibliotheken nicht angesprochen? Was wünschen sie sich überhaupt von Bibliotheken? Welche Medien würden sie interessieren?

 

Die Umfrageergebnisse vermitteln folgendes Gesamtbild: 61 % der Umfrageteilnehmer (Bruchköbel: 74 %) nutzen ihre Bibliothek regelmäßig. Sowohl von Nutzern als auch von Nichtnutzern waren die meisten schon als Kinder Bibliotheksmitglieder. Die Mehrzahl ist heute schon seit mehreren Jahren Bibliothekskunde und besucht die Bibliothek mindestens einmal im Monat - meist für eine knappe Stunde -, vor allem um sich neue Medien auszuleihen. Die Bruchköbeler nutzen ihre Stadtbibliothek zusätzlich für Schule, Ausbildung und Beruf, um sich zu informieren oder um für andere Personen Medien auszuleihen. Bevorzugt ausgeliehen werden dabei Romane (Krimi und Thriller), Sachbücher und Fachliteratur (mehrfach genannte Themen waren Geschichte, Biografien, EDV, Wirtschaft, Reiseführer, Kochbücher), Musik-CDs und DVDs.

 

Auf die Frage, was ihnen gut gefällt, nannten zwei Drittel der Bruchköbeler Teilnehmer das Medienangebot und über 60 % die Atmosphäre. Unter Sonstiges wurden außerdem mehrfach die "freundlichen Mitarbeiterinnen" gelobt. Nicht so gut gefällt einigen Männern die Einführung der Jahresgebühr bzw., dass es keine Gebührenbefreiung für Lebensgefährten oder sozial Benachteiligte gibt. Vermisst werden außerdem Computerspiele ab 12 oder 16 Jahren, eine größere Auswahl klassischer Musik-CDs und aktuelle Fachbücher. Männer scheinen an spezifischer Literatur interessiert, die kleinere Bibliotheken nicht anbieten können, so dass sie auf wissenschaftliche Bibliotheken ausweichen. Die Stadtbibliothek Bruchköbel ist für solche Fälle an die Fernleihe angeschlossen, d. h. vor Ort nicht vorhandene Literatur kann gegen eine Gebühr aus anderen Bibliotheken bestellt werden. Aus dem gleichen Grund handelt es sich in der Regel um Universitätsbibliotheken oder die Bibliothek des Arbeitgebers, falls Männer neben der örtlichen Bibliothek weitere Bibliotheken nutzen. In Bruchköbel wurde außerdem mehrfach die Stadtbibliothek Hanau genannt, die aufgrund ihres größeren Angebots zusätzlich genutzt wird.

 

Die Antworten auf die Fragen zu weiteren Services und wie Männer durch Werbung am ehesten erreicht werden können, zeigt, dass die Kommunikation mit den Nutzern verbessert werden muss. Denn hier wurden häufig Services genannt, die die Stadtbibliothek Bruchköbel schon länger anbietet. Seit Ende 2004 kann jeder in Ruhe vom heimischen PC aus im Bestand der Stadtbibliothek stöbern, sein Konto einsehen, Medien vorbestellen und verlängern oder sich benachrichtigen lassen, wenn entliehene Medien von anderen zurückgegeben wurden bzw. die Leihfrist der von ihm entliehenen Medien abläuft. Über den Punkt "Mailingliste" auf der Katalogstartseite kann man sich monatlich über alle Neuerwerbungen oder die einzelner Mediengruppen informieren lassen. Auch für Fernleihe, Medienwünsche und Online-Auskunft gibt es entsprechende Online-Formulare. Seit einigen Monaten ist es außerdem möglich, sich über den RSS-Feed "Aktuelles" über Neuigkeiten der Stadtbibliothek informieren zu lassen und regelmäßige Besprechungen können über den RSS-Feed "Medientipps" abonniert werden.

 

Die meisten Männer sind trotz der genannten Wünsche mit ihren Bibliotheken in Bezug auf Medien oder Atmosphäre recht zufrieden. Nicht-Nutzer dagegen sehen Bibliotheken etwas kritischer. Die Nicht-Nutzer gehen oft nicht in Bibliotheken, weil sie die Bücher lieber selbst besitzen möchten und daher kaufen. Es gibt aber meist keine direkte Ursache, die gegen einen Bibliotheksbesuch spricht. Möglichkeiten, diese Nicht-Nutzer in die Bibliothek (zurück)zuholen gibt es nach den Angaben nur wenige. Auch die Öffnungszeiten sind für die Nicht-Nutzer nicht der Grund, warum sie die Stadtbibliothek nicht (mehr) nutzen. Die Mehrheit der Nutzer kommt mit den derzeitigen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Bruchköbel gut zurecht, könnte sich darüber hinaus allerdings vorstellen, wenn die Stadtbibliothek wochentags einheitlich bis 19 Uhr und samstags länger geöffnet wäre. Innerhalb des Bibliotheksteam wurde bereits vor dieser Umfrage diskutiert, die Öffnungszeiten so zu ändern, wie jetzt von den Teilnehmern gewünscht. Da eine Ausweitung bei der aktuellen Personalsituation nicht realisierbar ist, müssten die Stadtbibliothek zu anderen Zeiten, z. B. vormittags, geschlossen werden. Um hier eine breiteres Meinungsbild für die Entscheidung zu erhalten, ist eine Umfrage ausschließlich zum Thema "Öffnungszeiten" geplant.

 

Trotz der häufig genannten Wünsche bezüglich Medien und Öffnungszeiten haben Männer (Bruchköbel: 70 %) nicht das Gefühl, dass sie von Bibliotheken weniger beachtet werden als Frauen. Auf die Frage, was man tun kann, um Männer in Bibliotheken zu locken, haben die meisten Teilnehmer auch keine Antwort. Sie sehen das "Männer-Problem" der Bibliotheken als gesellschaftliches Problem, an dem Bibliotheken nichts ändern können. Am ehesten ließe es sich ihrer Meinung nach noch angehen, indem Jungen von klein auf an Bibliotheken herangeführt werden, dann würden sie sie auch eher als Erwachsene nutzen. Hier setzt die Stadtbibliothek schon seit einigen Jahren an, indem sie versucht, alle Kinder vom Kindergarten bis zum Jugendlichen in der Oberstufe mit altersgerechten Angeboten jährlich anzusprechen. In den Kindergärten lesen regelmäßig Vorlesepaten vor, die Vorschulkinder lernen mit dem Bibliotheksmitarbeiter Nicki Bond (einer Handpuppe) die Stadtbibliothek spielerisch kennen, zum Schulanfang winkt ein kostenloser Bibliotheksausweis, mit einer Bücherkiste und einem Kasperltheater besuchen die Bibliotheksmitarbeiter die Erstklässler und alle 2. Klassen werden mit der Piratenführung auf die Insel Bibliothekaria in die Nutzung der Stadtbibliothek eingeführt. In der Mittelstufe stehen dann eine Bibliotheksrallye, Vorlesewettbewerb und das Leseförderprojekt "…und was liest Du?" auf dem Programm.

 

Stadt Bruchköbel